Erbe ausschlagen – Schulden vermeiden
geschrieben von Dipl.-Rechtswirt (FSH) David Biral

Schulden entstehen nicht nur durch ungezügelte Kauflust, durch Scheidung oder Krankheit. Ein weiterer Grund für Schulden kann auch eine Erbschaft sein. Wer sich nicht vorher über die finanzielle Lage des Verstorbenen informiert, gerät schnell in eine Schuldenfalle. Es gibt Wege, um diese Situation zu vermeiden.

Die Konsequenzen einer Erbschaft mit Schulden

Die Rechtslage ist eindeutig. Wer erbt, bekommt nicht nur das Vermögen. Das Erbe beinhaltet auch die Schulden. Leider ist es nicht selten, dass die Verstorbenen nur Schulden hinterlassen. Für die Erben stellt sich die berechtigte Frage, ob sie das Erbe annehmen sollen oder nicht. Es ist nicht möglich, nur das Vermögen zu erben, die Schulden aber nicht. Hat sich ein Erbe nicht über die finanziellen Verhältnisse des Verstorbenen informiert und erbt dieser die Schulden, dann ist eine Privatinsolvenz möglicherweise der einzige Ausweg.

Ein Ausweg ist das Erbe auszuschlagen

Niemand ist gezwungen, ein Erbe anzutreten, wenn der Verstorbene verschuldet war. Es besteht für die Hinterbliebenen jederzeit die Möglichkeit, das Erbe auszuschlagen. Das erfordert aber ein umsichtiges Vorgehen. Schulden zu haben bedeutet nicht gleichzeitig, dass kein Vermögen vorhanden ist, das die Schulden übersteigt. Das Erbe auszuschlagen ist ein endgültiger Schritt, der nicht rückgängig gemacht werden kann. Allein schon aus diesem Grund sollte die Sachlage genau geprüft werden. Bei einer Erbausschlagung entfällt auch der Pflichtteil.

Wie wird ein Erbe ausgeschlagen?

Wer erbt, hat eine Frist von sechs Wochen. Innerhalb dieser Zeit kann das Erbe ausgeschlagen werden. Geschieht dies nicht, so gilt das Erbe als angenommen. Eine Ausschlagung ist dann möglich, wenn der Erbberechtigte vom Tod des Erblasser informiert wurde. Tritt die gesetzliche Erbfolge ein, so erhalten die Erben nicht automatisch eine Benachrichtigung über das Erbe. Bei einem engen verwandtschaftlichen Verhältnis dürften die Erben über die Erbfolge aufgeklärt sein. Liegt ein Testament vor, können die Erben bei dessen Eröffnung das Erbe ausschlagen.

Was geschieht, wenn das Erbe ausgeschlagen wird?

Dann folgt in der Erbfolge der Nächste. Schlägt auch dieser das Erbe aus, folgt ein anderer in der Erbfolge. Schlagen alle das Erbe aus, dann ist der Staat der Erbe. Wird das Erbe ausgeschlagen, muss kein Erbe für die Schulden aufkommen. Es lohnt sich immer dann ein Erbe auszuschlagen, wenn die Verbindlichkeiten höher sind als das Vermögen.

Bei der Vermögensfeststellung kann es zu Schwierigkeiten kommen, wenn der Nachlass sehr umfangreich ist. Es gibt von staatlicher Seite keine Hilfe bei der Feststellung, wie hoch das Erbe tatsächlich ist. Manche Behörden wollen zunächst einen Erbschein sehen, bevor sie Auskunft über das Erbe geben. Sobald ein Erbschein beantragt wird, gilt das Erbe als angenommen. Dieser Weg führt im schlimmsten Fall ebenfalls in eine Schuldenfalle.

Vorsicht, wenn sich ein Haus im Nachlass befindet

Vorsicht ist ebenfalls geboten, wenn sich ein Haus im Nachlass befindet. Wenn es schon sehr alt und ungepflegt ist, muss es vielleicht saniert werden. Die Kosten hierfür können den Gewinn deutlich übersteigen. Wurde das Erbe bereits angetreten, bleibt dann nur noch der Weg über den Verkauf des Hauses.

Was geschieht, wenn das Erbe trotz Schulden angenommen wurde?

In diesem Fall ist eine Schuldnerberatung notwendig. Diese Schuldnerberatung sollte von einem Profi in Angriff genommen werden. Diese ist mehr als nur eine Beratung. In vielen Fällen wird auch eine konkrete Hilfe angeboten. Ist die Schuldensituation aufgrund des Erbes kaum zu bewältigen, dann bietet sich oftmals die Privatinsolvenz an. Es handelt sich dabei um eine Schuldenregulierung auf gerichtlicher Ebene. Dieser Fall tritt ein, wenn Privatpersonen zahlungsunfähig geworden sind. Bevor es jedoch zu diesem endgültigen Schritt kommt, kann auch eine professionelle Schuldenbereinigung erforderlich sein. In diesem Fall kümmert sich der Schuldnerberater um die Regulierung.

Auf keinen Fall sollte versucht werden, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Schuldnerberater machen nichts anderes, als anderen Menschen bei der Bewältigung ihrer Schulden zu helfen. Es spielt keine Rolle, wodurch die Schulden entstanden sind. Das können durchaus Erbschulden sein, aber oftmals sind auch Scheidungen oder Krankheit Wege, die in eine Schuldenfalle führen. Ohne Hilfe von Profis ist die Schuldenregulierung kaum zu bewältigen.

Kann eine Erbschaft auch nachträglich ausgeschlagen werden?

Hat ein Erbe die Erbschaft angenommen, kann diese zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr ausgeschlagen werden. In schwerwiegenden Fällen kann diese zwar angefochten werden, aber das ist nur sehr schwer durchzusetzen. Der typische Fall ist, wenn der Erbe davon ausgeht, dass der Verstorbene vermögend war. Stellt sich hinterher raus, dass nur ein Schuldenberg übrig geblieben ist, kann das Erbe dann nicht mehr ausgeschlagen werden. Die Frist von sechs Wochen ist so angesetzt, dass sich die Erben während dieser Zeit über den Nachlass informieren können. Geschieht das nicht gewissenhaft, ist es hinterher zu spät. In diesen Fällen muss auch dann unter Umständen eine Privatinsolvenz in Betracht gezogen werden.

Wo wird ein Erbe ausgeschlagen?

Das Erbe kann bei einem Nachlassgericht ausgeschlagen werden. Hier wird die Ausschlagungserklärung niedergeschrieben. Es kann aber auch über einen Notar eine notarielle Erklärung unterzeichnet werden. Diese Erklärung muss dann innerhalb der Frist von sechs Wochen beim Nachlassgericht eingehen.

Was geschieht, wenn die Erben im Ausland leben?

Es kommt nicht selten vor, dass Erben im Ausland leben oder nicht so schnell gefunden werden. Die Frist beginnt erst dann, wenn der Erbe von der Erbschaft erfährt. Es spielt keine Rolle, ob schon mehrere Monate bis dahin vergangen sind. Der Erbe hat immer sechs Wochen Zeit, das Erbe auszuschlagen, auch wenn er erst nach Monaten von dem Tod erfahren hat.

Was sonst noch erwähnt werden sollte

Wer das Erbe ausschlägt, sollte den nächsten in der Reihenfolge allein schon aus Fairness mitteilen, dass der Verstorbene überschuldet war. Geschieht dies nicht und wird das Erbe dennoch angetreten, kommt der Nächste in der Erbfolge in eine Schuldenfalle. Damit dies nicht geschieht, sollten alle in der Erbfolge darauf hingewiesen werden. Ist die Schuldensituation erst einmal vorhanden, kommen die wenigsten ohne Hilfe eines Profis wieder raus. Sinnvoll ist es deshalb, es erst gar nicht soweit kommen zu lassen. Wer sich im Erbfall genau informiert und die Frist nicht verstreichen lässt, kann sich auf die Situation einstellen. Eine Schuldenfalle gibt es dann erst gar nicht!

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