Immobilien-Leibrente schützt vor Armut im Alter

von Dipl.-Rechtswirt (FSH) David Biral

Der Hausbau oder -kauf kann eine lohnende Investition sein, wenn das Umfeld zu den neuen Besitzern passt und einen gewissen Lebensstandard gewährleistet. Gerade im Alter scheint es auf den ersten Blick angenehm, sich keine Sorgen um steigende Mieten sowie unangenehme Renovierungen durch den Vermieter machen zu müssen. Wer ein Eigenheim besitzt, ist auf dem Grundstück sein eigener Herr und trifft sämtliche Entscheidungen selbst. Ganz so einfach haben es Immobilienbesitzer dann aber doch nicht, wenn ihr Haus in die Jahre kommt. Sanierungsarbeiten dürfen nicht gänzlich vernachlässigt werden, um den Wohnkomfort zu erhalten und die Immobilie vor dem Verfall zu schützen. Die gehen ins Geld. Manch kleine Rente gibt sie nicht her. Hilfreich kann eine Immobilien-Leibrente sein.

Immobilien nicht sich selbst überlassen

Solange eine Immobilie über ein Kreditinstitut finanziert wird, wirft sie für Privatbesitzer kaum einen Gewinn ab. Tatsächlich profitieren die Eigentümer erst, wenn das Darlehen abgezahlt ist. Denn dann fallen die Rückzahlungen weg, Mietzahlungen sind nicht zu leisten. Was bleibt, sind die laufenden Unterhaltskosten wie Strom, Gas, Versicherung und Steuern. Die sind überschaubar. Vielen Eigentümern gelingt es in den kommenden Jahren und Jahrzehnten, monatlich etwas anzusparen. Allerdings müssen sie damit rechnen, dass von heute auf morgen die Heizung defekt ist oder das Dach eine undichte Stellte aufweist. Wofür in Mietwohnungen der Vermieter zuständig ist, muss der Immobilienbesitzer selbst aufkommen. Leider belassen es viele Eigentümer bei den nötigsten Reparaturarbeiten und erledigen diese oft sogar selbst, um Geld zu sparen. Dies geschieht nicht immer fachmännisch. Gehen die Immobilienbesitzer auf die Rente zu, stehen erste Sanierungsarbeiten an. Fenster müssen ausgetauscht werden, die Fassade benötigt einen Anstrich, ein neues Dach ist fällig und nicht zuletzt muss in Sicherheitstechnik investiert werden. Zugleich steigen die Ausgaben für Gesundheit und Pflege, eventuell müssen seniorengerechte Umbauten getätigt werden. Was viele Jahre als Luxus geschätzt wurde, hängt plötzlich als Klotz am Bein. Wer sämtliche Erneuerungen auf einmal angehen muss, fühlt sich in vielen Fällen finanziell überlastet. Gerade kleine Renten lassen bei der Renovierung von Häusern nur wenig bis gar keinen Spielraum. Zum Glück gibt es ein Modell, das das Haus vor dem Verfall schützt und die Besitzer vor dem Auszug bewahrt.

Immobilien-Leibrente als Vorsorge vor Altersarmut

Vielen Senioren fällt es schwer, ihr Eigentum aus finanziellen Gründen zu verkaufen und das gewohnte Umfeld aufzugeben. Dennoch scheint es häufig nicht anders zu gehen. Man plant, von dem Verkaufserlös zumindest die kommenden Jahre sorgenfrei leben zu können und sich seinen Eigenanteil im Pflegeheim beziehungsweise die monatlichen Mieten einer kleinen Wohnung leisten zu können. Was dann kommt, steht für viele ältere Menschen in den Sternen. Das muss nicht sein. Die Immobilien-Leibrente ist eine längst nicht allen Immobilienbesitzern bekannte Alternative. Sie richtet sich an Menschen über 70. Diese verkaufen ihr Haus und erhalten im Gegenzug eine lebenslange Leibrente sowie ein Wohnrecht, für das keine Mietkosten anfallen. Damit es sich der neue Eigentümer nicht irgendwann anders überlegen kann, werden diese Rechte notariell beurkundet und im Grundbuch festgeschrieben. Und zwar ohne, dass Notar- oder Gutachterkosten entstehen. Nutzen dürfen die ehemaligen Besitzer das Haus übrigens, als wäre es immer noch ihr eigenes. Ein weiterer Vorteil, der vielen Senioren wichtig ist, liegt auf der Hand: Man ist finanziell so unabhängig, dass man weder Kinder noch Enkelkinder belasten muss.

Nicht nur Laufzeiten variieren

Immobilien bergen für Erben Streitpotential. Diesem können Senioren mit der Immobilien-Leibrente vorbeugen. Falls das Grundbuch zum Zeitpunkt des Verkaufs noch nicht bereinigt ist, begleicht der neue Eigentümer die Restschulden sofort. Müssen Teile der Immobilie instand gesetzt werden, kümmert sich ebenfalls der Käufer darum. Alles liest sich perfekt. Doch was, wenn die alten Besitzer bereits kurz nach dem Abschluss einer Immobilien-Leibrente versterben? Wichtig ist, sich vor dem Vertragsabschluss verschiedene Angebote einzuholen und dabei insbesondere auf die Laufzeit zu achten. Für den Fall, dass die ehemaligen Besitzer versterben, sollte die Leibrente bis zu einem gewissen Zeitraum an die Erben ausgezahlt werden. Zudem spielt die Höhe der Rentenzahlung eine Rolle. Die hängt vom Alter und Zustand der Immobilie ab und demzufolge vom Wert des sich daraus ergebenden und von der Leibrente in Abzug zu bringenden Wohnrechts, von den Kosten des Unterhalts für die Immobilie sowie vom Alter der Immobilienbesitzer. Je später der Vertrag abgeschlossen wird, desto geringer dürfte statistischen Berechnungen nach die Lebenserwartung der Besitzer sein. Demzufolge fällt die monatliche Leibrente höher aus.

Immobilien-Leibrente auch in anderen Ländern bekannt

Wenngleich das Modell der Immobilien-Leibrente in Deutschland vergleichsweise selten angewandt wird, ist es keine neue Variante der Zusatzrente. Auch in anderen Ländern wie Frankreich und England wird es genutzt und ist überdies sehr beliebt.

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