Aus der Schuldenfalle entkommen
von David Biral

4,17 Millionen Menschen gelten derzeit in Deutschland laut dem „Fünften Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung“ vom 12.04.2017 als faktisch überschuldet. Gründe dafür gibt es viele – der Wegfall des Arbeitsplatzes, Krankheit und Scheidung zählen ebenfalls dazu. Allerdings hilft es keineswegs, den Kopf in den Sand zu stecken: Man muss sich wahrhaftig über die Gründe der Verschuldung jetzt klar werden.

Hier gebe ich Ihnen einen Ratgeber mit an die Hand, um erst gar nicht in die Schuldenfalle zu gelangen.

A. Woran merke ich eigentlich, dass ich wirklich überschuldet bin?

Nimmt jemand ein Darlehen bei seiner Hausbank auf und zahlt die vereinbarten Raten zurück, so ist er verschuldet. Katastrophal wird es erst dann, sobald er seinen Zahlungsverpflichtungen vereinbarungsgemäß nicht mehr nachkommen kann – demzufolge spricht man von einer Überschuldung.

Machen Sie sich einen Überblick über Ihre persönlichen Finanzen am Wochenende, gerne auch bei einem kleinen Bier oder wer mag einem Glas Rotwein! Es kann natürlich auch ein Glas Mineralwasser sein. Aber: Nicht übertreiben ;=)

Holen Sie sich Ihre Kontoauszüge und Rechnungen, tragen sodann im Anschluss ALLE monatlichen Ausgaben zusammen, beispielsweise

Wohnung:
Miete, Heizung, Strom, Nebenkosten, Garage, Festnetz, Mobilfunk  – ebenso auch die Rundfunkgebühren der ARD, ZDF, Deutschlandradio (vormals Gebühreneinzugszentrale sog. GEZ) sollten natürlich auch nicht fehlen.

Kfz-Kosten:
Benzinkosten, Wartung, Pflege, Reifen, Öffentliche Verkehrsmittel

Allgemein:
Lebensunterhalt (Lebensmittel, Körperpflege), Bekleidung, Genußmittel, Freizeit, Bildung, Reparaturen, Sparverträge

Ratenverpflichtungen:
Kreditraten, Versandhäuser, Fitness-Studio etc.

Sonstige Ausgaben:
Unterhaltsverpflichtungen, Kindergarten, Hort, Schule, Mitgliedsbeiträge (Parteizugehörigkeit, Vereine etc.), Zeitschriften-Abonnements, Kontogebühren/Sollzinsen, Geldstrafe/Bußgeld, Taschengeld

Vergessen Sie dabei nicht die Kosten, die vielleicht nur alljährlich und quartalsweise fällig werden,  beispielsweise Kfz-Steuern und Versicherungsprämie für das Auto, der Beitrag für den gelben Engel: sog. ADAC-Beitrag, Amazon-Prime (Mitgliedschaft), ebay-PLUS  etc. verschaffen Sie sich einfach einen Überblick.

Danach berechnen Sie Ihre Einkünfte: Lohn/Gehalt, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Nebenverdienst, Krankengeld, Übergangsgeld, Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe, Rente, Kindergeld, Wohngeld, Erziehungsgeld, Unterhalt, Beihilfe, Steuerrückerstattung

Fazit: Sind die Ausgaben höher als die Einkünfte, sind Sie sehr wahrscheinlich überschuldet.

B. Was sind die häufigsten Gründe von Schuldenfallen?

An erster Stelle stehen Arbeitsplatzverlust, Ehescheidung und Krankheit. Knall auf Fall verringert sich die Einkommensquelle, ebenso kommen stellenweise mehr Ausgaben auf Sie zu. Allerdings müssen das keinesfalls und ewig dramatische Einschnitte im Leben bedeuten!

Der Dispositionskredit verführt ebenso meist stracks dazu, mehr Kohle auszugeben wie man eigentlich hat, und etliche Shops und nicht zuletzt das Internet verführen regelmäßig noch unter anderem mit Hilfe von 0 % Zins-Ratenkäufen! Vor allen Dingen bei Jugendlichen steuern schnell die Mobilfunkrechnungen in die Verschuldung.

Nicht zuletzt eine Immobilienfinanzierung mag jemand in die Schuldenfalle stoßen: unterschätzte Nebenkosten, Bankrott der Bauunternehmung, darüber hinaus die Falscheinschätzung der eigenen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit – schlichtweg: falsche Kalkulation und die Immobilienrettung kann beginnen.

C. Wie kann ich Schuldenfallen versuchen zu vermeiden?

1. Haushaltsbuch führen!
Eine hilfreiche Herangehensweise, sich die eigenen Einkünfte ebenso wie Ausgaben vorab im Auge zu halten: Führen Sie akribisch ein Haushaltsbuch! Sie finden eine entsprechende Vorlage auf meiner Homepage unter: „Formulare und Downloads“, ebenso können Sie solche Vordrucke fast überall im Schreibwarengeschäft oder als App fürs Handy erwerben oder gar kostenlos bekommen.

2. Ausgaben versuchen zu senken!
Wer eine Gesamtschau über seine Ausgaben hat, findet bestimmt ebenso Möglichkeiten den Gürtel enger zu schnallen. Hierbei sollte man sich konkret hinterfragen, ob weitere Klamotten momentan ernsthaft notwendig sind, ob der teure Restaurantbesuch erforderlich ist oder das alte Mobiltelefon geradezu nach wie vor doch noch in Ordnung ist. Verlagern Sie Neuanschaffungen und kontrollieren Sie nicht zuletzt den aktuellen Energieversorger bzw. den Stromanbieter. Nutzen Sie Vergleichsportale im Internet.

Doch Vorsicht:
Bestehende Lebensversicherungen, Rentenversicherungen, Bausparverträge (Sparverträge) sollte man bloß in einer absoluten Notsituation auflösen – sie dienen ja der Absicherung im Alter und bewahren möglicherweise vor Eintritt der Altersarmut! Lassen Sie sich dahingehend von einem Finanzprofi/Experten auf diesem Gebiet richtig beraten.

3. Einkünfte steigern!

Testen Sie Ihre Einkünfte aufzubessern: Kontrollieren Sie mögliche Ansprüche in Bezug auf Wohngeld, Kinderzuschüsse oder Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Wer teilzeitbeschäftigt ist, kann zum Beispiel mit seinem Brötchengeber sich darüber unterhalten, die Arbeitszeit anzuheben. Wer einer Vollzeitstelle nachgeht, könnte außerdem eventuell einen Minijob sich überlegen.

4. Konsumrausch vermeiden!

Muss es sage und schreibe wirklich jetzt das fünfte Paar Schlappen sein? Wer geradezu beim Einkaufsbummel sein Grenzwert vergisst, sollte davor geeignete Maßnahmen ergreifen: Am besten die Bankomatkarte aus der Geldbörse entfernen und ausschließlich nur Bares mitnehmen, das Sie wirklich auch springen lassen wollen.

Etliche Menschen tendieren in diesem Zusammenhang dazu, sich Zeug zu besorgen, um sich zu ermutigen. Diese meist unnötigen Anschaffungen kann man dennoch unterbinden, in dem man selbst aktiv nach Alternativen sucht, machen Sie schlichtweg andere und schönere Dinge, die Ihnen Begeisterung verschaffen und auch nicht viel abverlangen (Kosten).

5. Gurke im Auge behalten!

Immer wieder tappen Jugendliche unter Einsatz der Gurke in die sogenannte Schuldenfalle: Dauertelefonie ist angesagt, der falsche Gurkentarif ausgewählt, teure Abo-Fallen und teure Sonderrufnummern erlauben die Mobilfunkrechnung für die Gurke schnell in die Höhe schnalzen zu lassen. Oje! Da hilft durchaus ein Tarifvergleich: Wer ausschließlich nur erreichbar sein will, für den lohnt sich eine sogenannte aufladbare Karte (Prepaidkarte).

Achtung:
Fordern Sie die Rechnungen mit Einzelverbindungsnachweis an. Kontrolle ist besser! Drittanbieter können in der Regel beim Mobilfunkanbieter gesperrt werden! Und: Nicht nur vergleichen sondern auch den Tarif eventuell –sofern kein Wechsel möglich- entsprechend optimieren.

6. Alimente einfordern!

Mit einem Auseinandergehen sind meist seelische Probleme vorprogrammiert, da stehen meist die finanziellen Probleme nicht an erster Stelle.

So beschwerlich es auch zu scheinen sein mag: Gemeinschaftskonten unmittelbar trennen, über angehäufte Verbindlichkeiten verhandeln und alsbald auf Unterhaltszahlung pochen! Ist für die Unterhaltszahlung nur ein Spritzer da, kann die Jugendbehörde um Mithilfe dementsprechend gebeten werden.

7. Überziehungskredit nicht aus den Augen verlieren!

Der Überziehungskredit ist grundsätzlich nur in einer Notsituation gedacht! Ist man länger in roten Zahlen, sollte der Betrag in einen günstigeren Teilzahlungskredit umgeschichtet werden. Wer immer wieder seinen Überziehungskredit wegen unwichtigen Käufen in Anspruch nimmt, sollte sein Geldinstitut anhalten, den Überziehungskredit auf ein Monatseinkommen regelrecht zu reduzieren oder sofort zu beenden.
Sprechen Sie mit der Bank.

8. Bankomatkarte bewusst beim Kauf einsetzen!

Die Bankomatkarte ist mit einem Risiko verbunden: Es senkt erwiesenermaßen die Hemmschwelle zum Moneten ausgeben. Verbraucher shoppen mit Bankomatkarten vielmehr als mit Bargeld. Gleiches gilt auch für Kreditkarten- darüber hinaus auch für Kundenkarten, die beinahe jeder Händler anbietet. Wer mit Karte bezahlt, verliert schneller die Übersicht über seine Ausgaben. Bleiben Sie Herr des Verfahrens.

Nicht vergessen:
Wer per Kreditkarte kauft, gibt geliehenes Pulver aus. Wer seine Kreditkarten-Abrechnung nicht rechtzeitig begleicht, zahlt meist viele Zinsen.

9. Darlehen als Pump?

Viele Geldinstitute verleiten mit günstigen Darlehensangeboten, heucheln uns ein besseres und zufriedenes und erfüllendes Leben vor, wenn wir nicht auf den Schlitten mit alles Extras oder das Auto sparen, sondern es jetzt gleich erwerben. Doch man darf dabei nie vergessen, dass der Schlitten oder das Auto hierbei am Schluss in der Regel teurer wird.

Achtung!
Wenn es also doch ein Darlehen, der sogenannte Kredit unbedingt sein muss, lassen Sie sich demzufolge im Voraus die wahren Unkosten aufzeigen und stellen Sie die Zinsen bei anderen Banken entsprechend gegenüber. Bei Online-Krediten im Gegensatz zu Krediten aus der Filiale vor Ort, können Sie gute Vergleiche sich veranschaulichen. Ein Vergleich ist immer lohnenswert!

10. Private Kreditvermittlung wenn bei einer klassischen Bank nicht mehr geht?

„Sofort-Auszahlung binnen 48 Stunden, Blitzkredit ohne SCHUFA, Sofort-Entscheidung in 5 Minuten, Keine Sicherheiten, Schufa-frei, auch bei geringem Einkommen und negativer Schufa möglich, “ – bei solchen Angeboten sollten Sie die Ohren weit öffnen – ebenso bei Kreditvermittler aus dem Ausland! Mal ehrlich: Wer vergibt einen Kredit ohne Sicherheiten?

Aufgepasst!
Unseriöse Vermittler von Krediten vergeben meist keine Darlehen, statt einem eigenen Darlehen reichen Kreditvermittler oftmals die Anfragen an Kreditinstitute weiter, und scheffeln noch eine Provision. Sie nutzen die finanzielle Situation, beziehungsweise die Notlage von verschuldeten Menschen oder Interessenten aus und beanspruchen meist unangemessene Bearbeitungsgebühren.

Nehmen Sie niemals per Nachnahme (Kreditantrag etc.) etwas in Empfang. Ob der Kredit auf Pump sicher gewährt wird, entscheidet einzig und alleinig das angefragte Bankhaus – eine Bank versendet keine Kreditanträge per Nachnahme.

11. Ratenkäufe korrekt veranschaulichen!

Kleine Raten lenken stracks vom eigentlichen Kaufpreis ab, außerdem laufen Sie in Gefahr, über monatliche Zahlungsverpflichtungen in eine Schuldenfalle zu tappen. Vor allem, weil etliche Händler mit günstigen Zinsen oder auch mit 0 % Finanzierungen anlocken.

Ratschlag:
Als Barzahler kann man oft beträchtliche Rabatte erhalten – gerade bei höheren Kaufpreisen. Der Versuch lohnt sich.

12. Immobilienfinanzierung richtig checken!

Direkt bei möglichen Immobilienfinanzierungen auf alle Fälle einen Vergleich bei den in Frage kommenden Banken anstellen! Eigenkapital ist von Vorteil. Immobilienberater und Experten rechnen gerne Angebote mal durch.

Setzen Sie den gesunden Menschenverstand ein. Die Welt ist voller Tricks. Gehen Sie behutsam und sorgfältig  mit Angeboten im Internet um, unterschreiben Sie niemals bei der gleich guten und möglicherweise günstigen Gelegenheit. Prüfen und reden Sie auch mit Familienangehörigen, Freunden und Bekannten. Meist kann auch in einer Notlage innerhalb der Familie ein kleiner Familienkredit zinslos (?) in Aussicht gestellt werden.

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